Nach „Am Fluss entlang schreiben“ und „Quer durch die Städte schreiben“ verfassten in diesem Projekt nun zum dritten Mal Jugendliche aus verschiedenen Städten sukzessive einen gemeinsamen Ruhrgebietsroman. Im Zentrum des vom Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW unterstützten Projekts steht der Blick auf die Kulturlandschaft Ruhrgebiet als Teil des kulturellen Erbes der Region. 

 

Karte: Benjamin Bäder

 

Die Idee

Jugendliche aus drei Städten im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund) schrieben gemeinsam den Nachfolgeband der Romane "Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie" (2013) und "Grenzgänger. Ein Ruhrpott-Roadmovie" (2014): "Das Erbe der Flussgeister" (2015). Die Teilnehmer setzten sich dieses Mal schreibend mit der Industriegeschichte ihrer Region auseinander. Die Umnutzung ehemaliger Industriestandorte und die historische Entwicklung der Emscher zum offenen Abwasserkanal sowie die jetzige Umgestaltung zum naturnah umgebauten Flusssystem durch die Emschergenossenschaft stehen symbolisch für die Industriegeschichte im Ruhrgebiet.

Inspiriert wurden die Jugendlichen in jeder Stadt daher zunächst durch Exkursionen an ehemalige Industriestandorte einerseits und an die Emscher und deren Nebenläufe andererseits. Diese Orte wurden zu Handlungsorten des gemeinsamen Romans.

Basierend auf den Exkursionen entschieden die Jugendlichen mit Unterstützung des Autors Sascha Pranschke und der Projektleiterin Sarah Meyer-Dietrich, wie sie diese Themen literarisch in ihrem Abschnitt des Romans aufgreifen wollten und verfassten an den folgenden Werkstatttagen jeweils allein oder zu zweit einzelne Teile des Romans.

Fotos: Timo Malers

 

Förderer und Partner

"Das Erbe der Flussgeister" ist ein Kooperationsprojekt von Friedrich-Bödecker-Kreis NRW und der Emschergenossenschaft. 

Ermöglicht wird es durch Mittel des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW.

Unterstützt wird es außerdem von Partnern vor Ort, die Räumlichkeiten und Referenten zur Verfügung stellen: Consol Theater, Initiativkreis Bergwerk Consolidation e.V., „werkstatt“, Stadtbücherei Bochum, Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

 

Das Buch

Im September 2015 erscheint der Roman "Emschererwachen. Ein Urban-Fantasy-Roman" als Ergebnis des Projekts im Klartext Verlag. In den Band fließen Elemente des Projekts "Carls Erbe" mit ein.

 

Aus dem Klappentext:

Nach einer durchfeierten Nacht traut Lukas seinen Augen nicht. Aus einem Nebenfluss der Emscher steigt ein junger Mann, der sein Zwillingsbruder sein könnte. Was Lukas nicht weiß: Der Doppelgänger ist sein 1835 verstorbener Vorfahre Emil, der sich im Ruhrgebiet des Jahres 2015 nicht mehr zurechtfindet. Orientierungslos fühlt sich auch Lukas selbst. Seit dem Schulabschluss hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Dass seine Mitbewohnerin Nikki ihm ständig Vorwürfe macht, weil er sein Leben nicht in den Griff kriegt, macht es nicht gerade leichter. Und dann lauert ihm noch die schießwütige Fee Amalia mit Armbrust bewaffnet auf. Auch sie ist aus den Emschergewässern auferstanden. Und voller Zorn, weil die Menschen im Zuge der Industrialisierung ihren geliebten Fluss zerstört haben. Eine Verfolgungsjagd von Essen über Gelsenkirchen und Bochum mündet in Dortmund schließlich in einen Showdown der Emscherfeen, Menschen und Geister ...

Fast 50 Jugendliche haben sich in diesem Roman literarisch auf höchst spannende und fantastische Weise mit dem kulturellen Erbe ihrer Region auseinandergesetzt: mit der Geschichte der Zechen, Kokereien und Stahlwerke – und der Emscher, die sinnbildlich für die Folgen von Industrialisierung und Strukturwandel im Ruhrgebiet steht. 

 

Am 20. September 2015 präsentierten die jungen Autoren ihr Werk in der Zeche Carl in Essen öffentlich. Mit Lesungen und Talkrunden gaben sie Einblick in das Projekt (Foto: Kirsten Neumann).

 

Das Projekt

In Gelsenkirchen startete der erste Teil des Projekts. Schülerinnen und Schüler der Hauptschule am Eppmannsweg, viele davon bereits Autoren im Projekt "Quer durch die Städte schreiben", planten den ersten Teil des Romans. Inspiriert wurden sie durch eine Exkursion an den Sellmannsbach (Exkursionsleiter: Moritz Herbst, Emschergenossenschaft), über das Areal der Zeche Consolidation (Exkursionsleiter: Martin Gernhardt, Initiativkreis Bergwerk Consolidation e.V.) und durch eine Führung im Consol Theater (Exkursionsleiter: Georg Kentrup, Consol Theater).

Fotos: Frank Vinken

Nach einer Woche reichten die Gelsenkirchener den Staffelstab an die nächste Gruppe weiter. Von nun an übernahmen die Bochumer (die meisten von der Heinrich-Böll-Gesamtschule, viele bereits Autoren im Projekt "Quer durch die Städte schreiben") die Verantwortung für den Roman. Auch sie wurden durch eine Exkursion inspiriert: Mit Prof. Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft erkundeten sie den Marbach, die Zeche Carolinenglück, die Zeche Hannover und die Jahrhunderthalle.

Foto: Frank Vinken

Eine Gruppe Dortmunder Schülerinnen und Schüler übernahmen in Dortmund die letzte Schicht. Nach inspirierenden Exkursionen auf der Kokerei Hansa (Exkursionsleiterin: Imke Sumfleth, Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur) und an die Emscher (Exkursionsleiterin: Prof. Dr. Martina Oldengott, Emschergenossenschaft) stand bald der Ort für das große Finale fest: auf dem Deusenberg mit Blick auf Emscher und Kokerei Hansa.

 Foto: Frank Vinken

 

Projektfamilie „FlussLandStadt. Eure Heimat - euer Roman“

"Das Erbe der Flussgeister" gehört zur Projektfamilie "FlussLandStadt. Eure Heimat - euer Roman". Der Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, jugendstil - das kinder- und jugendliteraturzentrum nrw und die Emschergenossenschaft/der Lippeverband haben in diesem Rahmen bereits vier Buchprojekte mit jugendlichen Autoren realisiert: "Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie" (2013), Projekt "Am Fluss entlang schreiben", "Grenzgänger. Ein Ruhrpott-Roadmovie" (2014), Projekt "Quer durch die Städte schreiben", "Endstation Emscher. Zwei Hellweg-Krimis" (2015), "Neben der Spur. Ein Dülmen-Thriller" (2015).