Willkommen in unserem Schülerblog!

Wir bieten Schülerinnen & Schülern eine Plattform im Internet. Für eigene literarische Texte, Berichte über Autorenbegegnungen, Buchbesprechungen. Von Schülern für Schüler.

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Home, sweet home?!

on Freitag, 29 Mai 2015. Posted in Geschichten & so weiter

Das Projekt

Die folgende Erzählung entstand im Projekt Home, sweet home?!, unterstützt durch das Programm MeinLand - Zeit für Zukunft der Türkischen Gemeinde in Deutschland im Rahmen des Bundesprogramms Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. 

1 PROLOG

John Kim Volker

Gibt es ein besseres Wetter für eine Beerdigung als Wind und Regen? Ein blauer Himmel mit strahlender Sonne, die einem ins Gesicht lacht, wäre nicht passend für eine solche Zeremonie. Nein, nichts passt besser zu einer Beerdigung als Wind und Regen, nichts passt besser als ein finsterer Himmel zu finsteren Gesichtern.

Der Himmel spiegelt die gedrückten Gemüter der Menschen unter ihm wider und gibt die Gefühle in doppelter Stärke zurück.

Der Wind lässt keinen Schutz vor dem Regen zu und der Regen vermischt sich mit den Tränen der Angehörigen.

 

Die Raben am Ickerner Friedhof krächzten amüsiert über die Absurdität des Bildes, das sich ihnen bot: Eine Trauergemeinde mit gesenkten Köpfen stand um ein Loch im Boden. Ein Bestatter hatte eine verzierte Urne in der Hand. Es war still. Ein letztes Zeichen des Respekts gegenüber dem Toten, bevor dieser – oder eben seine Asche – zur Erde zurückkehrte.

Ein Zeichen, eher für die Lebenden als für den Toten.

 

 

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Home, sweet home?! II

on Freitag, 29 Mai 2015. Posted in Geschichten & so weiter, Alles & noch viel mehr

Das Projekt

Die folgende Erzählung entstand im Projekt Home, sweet home?! II, unterstützt durch das Programm MeinLand - Zeit für Zukunft der Türkischen Gemeinde in Deutschland im Rahmen des Bundesprogramms Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. 

Eine Erzählung von:

Ecehan Akdeniz
Lorena Grazia Crapanzano
Lea Eggert
Kate Gerhard
Julia Häfner
Jennifer Hamann
Vivian Kellermann
Siri Korte
Alina Krax
Viktoria Mette
Niklas Muus
Lea Oberschachtsiek
Jana Schumann
Mehmet Kaan Sinirkavak
Lara Tatus
Anna Wambach

PROLOG

1 Eda

Was ein Geruch, dachte Eda. Für sie gab es an sich nichts Schöneres als einen Sonnenaufgang an der Emscher. So wie an diesem Morgen in Gelsenkirchen. Hier, am Ufer des Flusses, fühlte sie sich am wohlsten. Wenn bloß dieser beißende Geruch nicht wäre! Dann hätte man im sanften Licht des anbrechenden Tages glatt meinen können, der Fluss wäre so klar und sauber wie einst ... Ja, das waren schöne Zeiten gewesen. Eda trat näher ans Ufer und blickte in die plätschernde Emscher.

Nein, wenn man sie aus der Nähe betrachtete, konnte man sich nichts vormachen. Die Emscher war nicht schön. Doch in ihren Tagträumen sah Eda den klaren Fluss, der das Blau des Himmels widerspiegelte. Sah die Emscher, wie sie gewesen war. Und: Wie sie bald wieder sein würde. Sehr bald.

Doch für solche Träume blieb jetzt keine Zeit. Eda konnte ihre Wut kaum unterdrü-cken, als sie einen Gegenstand in der Emscher schwimmen sah. Als würde es nicht reichen, dass der Fluss als Abwasserkanal Tag um Tag menschliche Fäkalien trans-portieren musste! Nun hatte zu allem Überfluss offenbar wieder einmal jemand Müll hineingeschmissen. Eda schüttelte den Kopf.

Die Menschen, die an der Emscher wohnten, regten sich oft über den Geruch auf, dabei waren sie doch selber Schuld. Und wenn Eda sah, wie sorglos sie Müll in ihren eigenen Lebensraum warfen, fiel es ihr doch schwer daran zu glauben, dass diese Kreaturen Verstand besaßen ...

Als der Gegenstand im Wasser näher herangeschwommen war, erkannte Eda, dass es sich um eine Flasche handelte. Sie beugte sich nach vorn und fischte sie aus dem Wasser, aber ... da steckte ja ein zusammengefalteter Zettel drin! Eda wurde neugierig. Was mochte auf dem Zettel stehen? Sie konnte sich die Aufregung kaum verkneifen. Eilig öffnete sie den Schraubverschluss und schüttelte den Zettel aus der Flasche. Zum Glück war er ziemlich trocken geblieben. Sie faltete ihn auf. Offenbar eine Seite aus einem Notizbuch. Herausgerissen. Oben rechts stand ein Datum. Es war aber so verschmiert, dass Eda es nicht entziffern konnte. Doch den Ort konnte sie gut lesen: Castrop-Rauxel. Sie kannte den Namen der Stadt, hatte sich dort aber noch nie blicken lassen. Dabei war Castrop gar nicht weit entfernt. Östlich von Gel-senkirchen, stromaufwärts. Dann war die Flaschenpost also von Castrop nach Gelsenkirchen getrieben? Hatte den Weg die Emscher entlang, vorbei an Pumpwerken und Deichen gefunden? „Muss wohl“, sagte Eda laut und dann: „Ups, jetzt rede ich schon mit mir selbst.“ Nun erst realisierte sie, dass der Brief auf Türkisch geschrieben war. Das passte ja wie Topf auf Deckel! Konnte es Zufall sein, dass dieser Brief ausgerechnet ihr in die Hände fiel, die doch selbst Türkin war? Eda holte tief Luft ... und fing endlich an zu lesen:

 

Merhaba iyilik perisi, (Übersetzung: Guten Tag, gute Fee)

wir sind jetzt schon einige Zeit in Deutschland. Aber ich vermisse die Türkei, vermisse Istanbul immer noch so sehr. Mein Zimmer hier ist ganz okay. An das Wetter muss ich mich noch gewöhnen. Aber das eigentliche Problem ist: Ich habe hier keine Freunde. Niemand versteht mich. Ich fühle mich alleine.

Nun haben mir meine Eltern auch noch vorgeschlagen, auf dieses Fest zu gehen. Die Emschergenossenschaft feiert die Eröffnung eines neuen Abwasserkanals. Zu-künftig soll das Abwasser, das heute noch durch die Emscher fließt, unterirdisch abgeleitet werden.

Ich finde es gut, dass der Fluss dann sauber sein wird. Er ersetzt mir zwar nicht den Bosporus, aber ich liebe das Wasser nun mal. Bloß ist auf diesem Fest auch ein Poetry-Slam geplant. Ich würde dort so gerne einen Text von mir vorlesen, doch ich kann ja kaum Deutsch. Die paar Brocken reichen nicht für einen ganzen Text. Schon gar nicht für einen poetischen ... Vielleicht gehe ich trotzdem zu dem Fest. Mal sehen ... Ich hoffe, bald wird alles besser.
Deine Senem

Eda wusste nun ganz sicher, dass die Flaschenpost nicht zufällig ausgerechnet ihr in die Hände gefallen war. Gute Fee ... damit konnte doch nur Eda, die Emscherfee, gemeint sein. Und schließlich war auch sie selbst einst aus Istanbul hierher gekom-men. Auch wenn das schon viele, viele Jahrzehnte her war ... Eda war klar, was sie zu tun hatte: Sie musste sich auf den Weg nach Castrop-Rauxel machen, um dort diese Senem zu finden, die den Brief verfasst hatte.

 

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Berne im Klopapierballkleid

on Sonntag, 15 März 2015. Posted in Geschichten & so weiter, Alles & noch viel mehr

Sie sind mir zur Qual geworden, die wolkenlosen Sommertage. An denen ich halb austrockne und den Gestank des weltlichen Elends verbreite. An denen alles zäher fließt, sich der Stahl meiner Brücken aufheizt und ich gleißend daliege. In meinem Betonbett, gesäumt von kargen Wiesen.

Sie sind mir zur Qual geworden. Diese wolkenlosen Tage.

Noch einmal versuche ich, das Blau des Himmels zu reflektieren.

Scheitere. Erfolglos.

Ich habe mich noch nicht ganz damit abgefunden, glanzlos zu sein. Erwarte noch immer die lachenden Kinder, die mal an meinen Ufern spielten.

Nur langsam schwindet mein vermessener Stolz, der einstmals doch so richtig schien.

Es ist lange her, dass ich ein Fluss war. Die idyllische Berne, die ihr Wasser der klaren Emscher zuführte. Bilder der Vergangenheit.

Die Menschen kamen und ihre Visionen mit ihnen. Wie hätte ich denn wissen können, dass gerade ich den Preis für ihre Träume zahlen würde?

Ich floss nur vor mich hin und staunte.

Staunte, als sie die Erde aufbrachen.

Staunte, als sie den Himmel verdunkelten.

Staunte, als sie ihre Werkzeuge brachten.

 

 

Der Schmerz kam mit den Maßnahmen. Ich wurde begradigt, erhöht, vertieft. Ich wurde ganz entfremdet. Und schließlich in Beton gefasst. Dieses Bett wurde zur Fessel.

Heute bin ich eine Kloake. Abbild für die Kehrseite der Zivilisation. Braun gefärbt von Dreck und Scheiße. Die Ophelia der Gewässer im Klopapierballkleid. In mir ist all der Abfall, der übrig bleibt, wenn das Gute vom Ursprünglichen getrennt und verlebt wird.

Und an so ganz und gar wolkenlosen Tagen wie heute, wenn die Hitze das Wasser dem Bachbett entwendet, trockne ich halb aus und verbreite den Gestank des weltlichen Elends. Dann denke ich zurück an meine Zeit als Fluss.

Und träume von der Wiederkehr.

 

Anne

 

 

Dieser Text entstand im Rahmen der Fachtagung der UNESCO-Projektschulen in Essen und wurde im Projekt "Carls Erbe" aufgegriffen. Die Berne ist ein Nebenlauf der Emscher.

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