Fremdenfeindlichkeit oder Willkommenskultur? – Medien vs. Realität

on Mittwoch, 18 November 2015. Posted in Vorfreude & Nachlese, Alles & noch viel mehr

Im Herbst 2015 fand im Berufskolleg Brilon im Rahmen des Projekts Schreibwerkstätten eine Werkstatt mit Autor Manfred Theisen statt, in deren Rahmen die Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema „Fremdenfeindlichkeit oder Willkommenskultur? – Medien vs. Realität“ beschäftigten. Im Folgenden könnt ihr einige der dort entstandenen Texte und einen Bericht der Projektleiterin des BK Brilon, Melanie Kroh, nachlesen. Zu sehen gibt es außerdem ein Video, das die Schüler in der Werkstatt anfertigten.

Schreibwerkstatt Brilon 2015

 

Kirmes in Brilon 

Ich stand an der Theke.

Der stand auch da.

Er konnte Deutsch.

„Ist Alkohol nicht tabu bei euch?“

„Ne. Ich wohn jetzt hier und da

trinkt man Bier.“

Da kamen auch meine Freunde und von ihm

kamen auch noch zwei Leute.

Wir unterhielten uns gut und ich fragte, woher er kommt.

„Syrien.“

Er erzählte auch, dass er dort studiert hat.

„Wird das Studium hier in Deutschland anerkannt?“

„Nein.“ 

Wir haben weiter ein paar getrunken und uns über

Sport unterhalten. 

Nach einer Zeit sind wir nach Hause gegangen und dann haben

wir uns am nächsten Tag wieder getroffen. 

Und wie am Tag zuvor haben wir gegessen, getrunken

und uns weiter unterhalten und uns besser kennengelernt.

Wir haben uns echt gut verstanden und gefeiert.

Am nächsten Tag haben wir uns an der Schule wieder getroffen.

„Das Wochenende war echt gut!“ 

„Ja, fand ich auch.“ 

Ich habe ihn danach nicht mehr wiedergesehen, da Brilon

nur ein Übergangslager für ihn war.

 

Julian Hegener & Angelika Kari

 

 

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***

 

Ein bisschen Heimat

Ein Freund türkisch-arabischer Herkunft

hat mich angerufen und wir sind zusammen

zum Asylantenheim gegangen.

Er hatte den Menschen dort schon Decken und Klamotten

gebracht. So hat er sie kennengelernt.

Wir unterhielten uns und mein Freund

übersetzte alles, weil er Arabisch kann.

Er ist aus der Türkei, aber irgendwie auch Araber.

Ich schwöre. Es ist so.

Die Asylanten haben ihre Geschichte erzählt

von der Flucht und hatten Videos auf dem Handy.

Sie kamen über die Türkei und übers Mittelmeer

und wir haben gesehen, wie Leute ertrunken sind,

auch Kinder waren dabei, sogar Babys.

Ich hätte fast geheult. Die Griechen haben sie aufs 

Boot genommen und alle Handys eingesackt.

Aber einer war so schlau und hat die SD-Karte 

rausgenommen. Sie haben die Handys nicht mehr

Wieder rausgerückt. Keiner sollte sehen, wie die

Griechen sie behandeln.

Dann waren sie wieder auf Land.

Sie haben auf Hotelwiesen geschlafen. 

Ich hab jetzt noch Kontakt mit ihnen.

Ich sehe sie jeden Tag.

Wir rauchen Shisha und treffen uns oft.

Es sind Syrer, freundlich sind sie und offen.

Sie gehen eher in türkische Kaffees als in deutsche.

Sie fühlen sich da eher zuhause. Ein bisschen Heimat.

 

Bahri Kantar

 

Hand hoch

Ich hab Training gehabt,

meine Freunde stehen

mit Flüchtlingen am

Spielfeldrand.

Wer sind die Jungen?

Woher kommen sie?

Was wollen die von meinen Freunden?

Sie brauchen Hilfe.

Das merkt man.

Die Mimik, die Gesten,

ich erkenne es an ihren Händen

und Gesichtern.

Sie sind offen.

Reden über alles.

Einer hat in der Kantine gearbeitet.

Essen gemacht.

Für die U.S. Armee im Iran.

Der andere Flüchtling

war still, aus Afrika

maximalpigmentiert.

Ich bin duschen gegangen.

Und hab sie nicht wieder getroffen.

Ich sehe sie manchmal am Sportplatz.

Hand hoch, sonst ist nichts.

Aber manchmal fragen sie mich,

wann das nächste Spiel ist

und sie zugucken können.

 

Renas Karakoc

 

***

 

Vom Sofa aus gesehen 

die Flüchtlinge kommen, laufen über Feldwege … bei jedem Wetter 

durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich, Deutschland 

übernachten in Zelten (kein Wasser, keine Nahrung) … heftig, ich möchte so was nicht erleben!! Das macht mich traurig!

immer in kleinen Gruppen dürfen sie durch Mazedonien mit Zügen von Mazedonien nach Serbien ... Züge sind sehr voll, sie müssen sich quetschen, die Menschen tun mir leid.

es fahren nur 3 Züge pro Tag     

wer keinen Zug bekommt, läuft nach Serbien … ich finde das schockierend, dass die Menschen so eine weite Strecke laufen müssen, ich finde das sehr traurig, dass nicht mehr Züge eingesetzt werden.

für die Weiterreise fehlt den meisten dann das Geld. Sie übernachten draußen, in Parkhäusern … ich wüsste nicht weiter, hätte Angst auf der Straße zu leben 

Serbien hindert die Flüchtlinge nicht durch Zäune oder durch Mauern … das freut mich sehr, so etwas zu hören.

Von Eda und Seniha

 

Unser Blick auf Flüchtlinge

YouTube vermittelt meist 

die schlechten Seiten

ARD und ZDF haben einen Mix

Aber eher mehr gut als schlecht

 

Celine Niggemann, Fabienne Schilling

 

***

 

Der Alltag in einem neuen Zuhause

Ich versuche, mich immer mehr in dieses Land, das ich als mein neues Zuhause ansehe zu integrieren. Es ist nicht leicht, doch es ist die einzige Chance von den Menschen hier zu akzeptiert zu werden. Ich kann ihnen ja nichts vorwerfen, ich komme aus einem Land, in dem Krieg herrscht. Vielleicht denken sie, ich bin auch gefährlich. Ich bin nicht wie die Menschen hier um mich rum, ich komme aus einer komplett anderen Kultur, einem anderen Land und einer anderen Ansicht vom Leben. Doch dieses Land gab mir die Chance neu anzufangen, also muss ich diese Chance nutzen. Wir kriegen täglich Taschengeld womit wir uns über Wasser halten müssen. 

Ich hab eine Familie und als ältester Sohn muss ich Verantwortung übernehmen und die Geschäfte mit dem einkaufen hier erledigen. Ich machte mich von unserer Turnhalle aus auf den Weg und musste in der Stadt mit dem Bus weiter. Als der Bus an der Haltestelle angehalten hat, ging ich rein, bezahlte die Fahrt und schaute mich um welche Plätze noch frei waren, ich hoffte sehr, dass es 2 Plätze nebeneinander gab, die unbesetzt waren, damit nicht eine peinliche Situation entsteht und ich neben einem Deutschen sitzen muss. 

Doch es kam leider so: Ich sah mich im Bus um, überall saßen entweder 2 nebeneinander oder 1 Deutscher/Deutsche, bis auf die letzte 5-er Reihe im Bus, wo 3 Männer aus Syrien saßen, die nicht unbedingt Fans von meiner Familie waren. Ich dachte darüber nach, welche Situation schlimmer wäre, ob sich Deutsche durch mich gestört fühlen oder ob ich neben den Menschen sitzen müsste, die mich nicht mögen. Nach ein paar Sekunden, die ich im Gang stand, wurde der Busfahrer wütend und meint ich, soll mich hinsetzen oder er würde mich rauswerfen. Ich ging durch die Reihen und musste mich nun entscheiden. Ich hatte Angst vor der Reaktion der Deutschen, wenn ich mich neben sie setzen würde, worauf ich zu den Männern in der letzten Reihe ging. Möglicherweise sind die Deutschen in den ersten Reihen erleichtert, dass ich bloß weg bin. Diese Gedanken machen mir immer mehr Angst, wie soll das jemals funktionieren, wenn ich hier nicht willkommen bin? Ich bin dankbar, dass ich hier aufgenommen wurde, doch ich fühle mich hier zu ausgeschlossen als das ich glücklich sein könnte. Ich bete zu Gott, dass er unsere Gebete erhört und uns hilft in diesem Land klar zukommen.

 

Aydin Düzer

 

***

A: Der Flüchtling

B. Ein Arbeitgeber

 

A: Guten Tag.

B: Guten Tag.

A: Ich komme aus Syrien und würde gerne bei dir ein Praktikum machen.

B: Sind Sie aus Syrien geflohen?

A: Ja, in meiner Heimat herrscht Krieg und ein Teil meiner Familie ist dort gestorben.

B: Das tut mir leid, ist der Rest ihrer Familie denn hier?

A: Ja, wir wohnen übergangsweise in einer Notunterkunft.

B: Sie bekommen doch sowieso Geld vom Staat, wieso wollen Sie dann ein Praktikum in meinem Betrieb machen?

A: Ja, aber ich möchte gerne arbeiten, und ich habe auch schon Erfahrung, ich habe in Syrien schon Möbel hergestellt.

B: Wir in unserer Firma und auch unsere Kunden legen sehr großen Wert auf die Qualität unserer Produkte, sie müssten also sehr gut und genau arbeiten.

A: In Syrien legen die Menschen auch großen Wert auf Qualität, auch wenn es syrischen Bürgern gerade nicht gut geht, wir sind nicht schlechter als Menschen aus anderen Ländern.

B: In ihrem Land gelten trotzdem andere Bestimmungen als bei uns.

A: Das heißt aber nicht, dass wir schlechter arbeiten als ihre deutschen Mitarbeiter.

B: Wenn ich sie als Praktikant nehme, woher weiß ich, dass sie regelmäßig bei der Arbeit erscheinen und  mir nicht das ganze Holz unbrauchbar machen.

A: Wissen Sie das denn bei Ihren deutschen Mitarbeitern.

B: Nein, aber die sind in Deutschland aufgewachsen und auf ihren Job angewiesen. Das ist ihr Leben, ihre Existenzgrundlage, sie als Flüchtling bekommen ihr Geld vom Staat, egal, was sie machen, ob sie bei mir arbeiten oder nicht. Sie könnten auch in der Notunterkunft bleiben und brauchten den ganzen Tag gar nichts zu tun.

A: Ich möchte aber nicht ewig vom Staat leben, ich möchte mich integrieren, ich will hier Leben, und arbeiten. Ich möchte genauso hier Leben wie sie auch.

B: Ich gebe ihnen eine Chance, wir versuchen es zwei Wochen lang, wenn Sie alles gut machen, können wir reden, ob wir ihr Praktikum verlängern und vielleicht sogar, ob ich Sie dauerhaft einstelle. Kommen Sie am Montag um 7:30 Uhr hier hin, einer meiner Mitarbeiter wird ihnen sagen, was Sie dann tun müssen.

A: Vielen Dank, dass sie mir eine Chance geben. Bis Montag. Auf Wiedersehen

B: Auf Wiedersehen.

  

Julian Zöllner

 

 

Beim Betrachten eines Youtube-Videos

Nun sieht man eine Kameraeinstellung, die von oben herab die schiere Menge an Personen an diesem Grenzübergang festhält. Bei diesen Menschen handelt es sich größtenteils um Männer im mittleren Alter. Im weiteren Verlauf der Aufnahmen sieht man, wie sich die Situation weitgehend beruhigt. Die Flüchtlinge haben sich zu einem Großenteil gesetzt und es werden einige Reihen von Flüchtlingen durch die Sicherheitskräfte an einen für mich nicht erkennbaren Ort geführt. Das Video endet hier. Ich gehe zurück. Ich will es noch einmal sehen. Ich schau mir das Video erneut an. Ein unbestimmtes Gefühl des wieder Erkennens beschleicht mich. Ich weiß, dass es in diesem Video etwas Wichtiges gibt, das ich übersehen hab. Aber was? Ich schau das Video erneut diesmal halte ich es regelmäßig an, durchsuche die Masse. Ich will finden, was ich glaube zu erkennen. Doch noch immer wird das Bild nicht klar. Das Video läuft weiter. Plötzlich fängt ein Gesicht meinen Blick. Ich kenne dieses Gesicht, ich kenne diesen Mann! Ein Gefühl unbestimmten Grauens erfasst mich und vernebelt mein Denken. Ich weiß, dieser Mann ist wichtig. Ich merke, wie Panik in mir aufsteigt und plötzlich wie ein Schlag ins Gesicht bricht die Erinnerung über mich herein. Ein dunkler Kellerraum. Ich bin allein. Das einzige Licht in diesem Raum fällt durch einen Spalt zwischen den Brettern, die das einzige Fenster verriegeln. Der Lichtstrahl fängt sich in der staubigen Luft und lässt den Staub fast schön wirken. Die Partikel scheinen sich in einem Tanz bewegen, es hätte vermutlich etwas magisches, wäre meine Situation eine andere. Diese Vorführung, so schön sie auch ist, wirkt auf mich jedoch wie purer Hohn. Es ist derselbe Staub, den ich einatme und der meinen Mund austrocknet und nun verspottet er mich auch noch. Ich sitze seit Tagen in diesem verfluchten Keller. Ich weiß weder, warum ich hier bin noch wie genau ich hier her kam. Meine letzte Erinnerung vor diesem Keller ist ein stechender Schmerz im Hinterkopf, ein Schrei und dann das Verblassen meines Bewusstseins. Vor diesem „Zwischenfall“ war ich mit einer kleinen Gruppe auf dem Weg Richtung Türkei. Unsere kleine Gruppe bestand zu diesem Zeitpunkt aus 4 Leuten: Meiner Schwester, ihrem Freund, meinem Besten Freund und mir. Unser Ziel war so klar wie unsere Zukunft ungewiss: Raus. Nur raus aus unserer Heimat der Entschluss zu fliehen war nicht schnell getroffen, doch wir mussten gehen. Raus aus diesem vom Bürgerkrieg zerfressenem Land gefüllt mit brutalen Radikalen die im Namen der Freiheit und im Namen Gottes das Blut Unschuldiger vergießen. Als ich wieder erwachte befand ich mich bereits in diesem Keller. Getrennt von den anderen. Alleine.

 

Robin Füllgraf

 

***

 

Sind sie wirklich willkommen?

In ihren Ländern herrscht Bürgerkrieg, sie sind pausenlos in Gefahr:

Frauen, Kinder und selbst Babys werden gnadenlos ermordet. Manche stellen sich die Frage, wieso die Asylanten hier nach Deutschland kommen? Was würdet ihr bitte tun, wenn ihr wissen würdet, dass mit jedem Moment alles zu Ende sein könnte? Was würdet ihr tun, wenn die Menschen, die ihr liebt in Gefahr sind? Könntet ihr weitermachen, wenn eurer Mutter, eurem Vater, euren Geschwistern oder euren Kindern etwas passiert? Wenn sie vor euren Augen kaltblütig ermordet werden? Niemand wünscht sich das, genauso wie die Asylanten! Sind sie weniger wert als ihr? Seid ihr besser? Nein, eindeutig nicht, also haben sie die gleichen Rechte wie jeder andere in diesem Land und das muss akzeptiert werden! Ihr würdet in solchen Fällen genau dasselbe tun, vertraut mir, wenn man keinen anderen Ausweg hat, muss man alles versuchen, damit einem selbst und der Familie nichts geschieht. 

Nicht alle von ihnen sind gleich. Natürlich gibt es auch einige unter ihnen die nicht nur darauf aus sind ihr Leben zu retten, sie tun auch falsches. Aber das machen die normalen Bürger in diesem Land auch und wenn einer von ihnen ein Fehler macht sollten nicht alle davon betroffen sein. Ein Deutscher bricht in ein Haus ein und klaut Sachen. Diebe gibt es überall, doch wenn man diesen Dieb kriegt ist die Sache vorbei und alles ist geklärt. Was schreiben die Medien alles wenn mal ein Asylant so etwas tut und etwas klaut? Schlagzeile sieht dann meistens so aus:

„Asylanten werden immer gefährlicher. Wir sind in großer Gefahr!“

Sowas ist total unnötig und heizt nur die Menschen hier gegen sie auf. Jeder Mensch macht hier Fehler, das sollte jeder einsehen. Die Asylanten versuchen ihre Familie so gut es geht zu ernähren und in guten Umständen zu halten. Es ist verständlich, dass sie auch einige Wünsche haben, die hat jeder von uns. Also anstatt bei so welchen Sachen zu denken, dass die immer dreister werden ist falsch.

Sie müssen in Turnhallen, Zelten etc. leben. Auch wenn dieses Land offen für sie war und sie aufgenommen hat, ist eine Turnhalle oder ein Zelt kein idealer Ort zum leben für die Menschen, vor allem für die Kinder. Es gab Fälle, in denen die Asylanten protestiert haben, dass ihnen die Turnhalle nicht gefällt und das hat für Riesenärger der Bürger hier gesorgt. Jetzt denken sie mal an folgende Situation:

Sie sind mit ihren paar Monate altem Sohn/Tochter im November draußen in einem Zelt und müssen so gut klarkommen wie sie können. Die Eltern wollen das Beste für ihr Kind genauso wie sie es wollen. Sie dürfen nicht sauer oder verärgert darüber sein, versuchen sie nur diese armen Menschen ein wenig zu verstehen und ihnen ein bisschen Hilfe zu leisten. Sie wären nicht hier, wenn sie nicht müssten! 

 

Aydin Düzer

 

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BERICHT ÜBER DIE WERKSTATT von Melanie Kroh 

Seit vielen Jahren finden nun schon Projekttage statt, die sich mit der Bedeutung von Büchern, dem Lesen, dem geschriebenen und gesprochenen Wort im Zeitalter der Informations-gesellschaft auseinandersetzen. Der erste Projekttag im Schuljahr 2015/2016 fand am               10. November 2015 statt. Das Berufskolleg Brilon setzte auch in diesem Jahr die interessante und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Autor Manfred Theisen fort. 

Manfred Theisen, der 1962 in Köln geboren wurde und dort Deutsch, Politik und Englisch studierte, erhielt für seine Werke bereits zahlreiche Preise und Stipendien. Darüber hinaus forschte er für das deutsche Innenministerium in der Sowjetunion, gründete einen Entwicklungshilfe-Verein in Äthiopien, arbeitete als Redakteur und leitete eine Kölner Zeitungsredaktion. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller und verfasst vor allem Kinderbücher und Jugendromane.

Der Kontakt zu Herrn Theisen kam auf Empfehlung des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW zustande. Dieser gemeinnützige Verein, der 1954 gegründet worden ist und nach dem niedersächsischen Pädagogen Friedrich Bödecker benannt wurde, sieht als eine seiner vorrangigen Aufgaben die Leseförderung und Literaturvermittlung für Kinder und Jugendliche. Die Veranstaltung am Berufskolleg Brilon wird darüber hinaus auch vom Förderverein des Berufskollegs Brilon und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt. 

Die diesjährige Schreibwerkstatt stellten der Autor Manfred Theisen und die Projektleiterin des BK Brilon, Melanie Kroh, in Anbetracht der Flüchtlingskrise und -hilfe unter das Thema „Fremdenfeindlichkeit oder Willkommenskultur? – Medien vs. Realität“. 

Im Oktober 2015 ist bspw. in den zum Schulzentrum Brilon gehörigen Turn- und Sporthallen ein Flüchtlingslager für 400 Personen eingerichtet worden. Außerdem werden spätestens ab Februar 2016 jugendliche Flüchtlinge in einer Internationale Flüchtlingsklasse im Berufskolleg Brilon unterrichtet, was in der Folge auch zu Umstrukturierungen im gesamten Stundenplan führt. Somit sind die Schülerinnen und Schüler des BK Brilon direkt von den tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft betroffen. 

Folgende Schülerinnen und Schüler der Unterstufe der Höheren Berufsfachschule meldeten sich freiwillig, um an diesem Projekt mitzuarbeiten: Celine Niggemann, Fabienne Schilling, Aydin Düzer, Robin Füllgraf, Julian Zöllner, Eda Demirezen, Stephanie Frigger, Julian Hegener, Angelika Kari, Bari Kantar, Renas Karakoc, Seniha Mavigök. 

Ziel dieses Projektes ist für die Verantwortlichen, die Schülerinnen und Schüler des Berufs-kollegs für dieses Thema zu sensibilisieren und sie zusätzlich als Multiplikatoren für eine offene, hilfsbereite und friedliche deutsche Gesellschaft auszubilden. 

 

Der Projekttag begann zunächst damit, dass Herr Theisen sich und seine Arbeit vorstellte. Er berichtete von seiner täglichen Arbeit und bspw. von der Zusammenarbeit mit einem jungen Afghanen, den er vor mehr als drei Jahren kennenlernte. Die persönliche Geschichte dieses Jungen inspirierte ihn zu einem Buch, das damals bei den Verlagen nicht ankam. Ein Druck rückte in weite Ferne. Der Junge war als Neunjähriger nach dem Tod des Vaters, den die Taliban erschossen hatten, mit seiner Mutter in den Iran geflohen. Zwei Jahre später starb auch die Mutter und der Junge musste sich als Vollweise und als billige Arbeitskraft im Iran durchschlagen. Nach einer schweren Messerattacke, von der er eine Schulterverletzung davontrug, entschloss er sich, sich allein auf den Weg nach Europa zu machen. Sein Ziel war Schweden, weil er dort afghanische Flüchtlinge kannte. Er kam aber nach Deutschland – und blieb! Mittlerweile ist er 17 Jahre alt, besucht die Schule und steht kurz vor seinem Schulabschluss … Und ein Verlag, bei dem Herr Theisen ehemals angefragt hatte, bekundete nunmehr angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingssituation großes Interesse, diesen Roman zu veröffentlichen! 

Anschließend las Herr Theisen einen Auszug aus diesem Roman, „Checkpoint Europa“, vor.

Danach bat er die Schülerinnen und Schüler sich vorzustellen und Auskunft darüber zu geben, ob sie bereits eigene Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen haben. Diese Stellungnahmen und Berichte nahm er in der Folge zum Anlass, erste Schreibaufträge zu verteilen. Die Schülerinnen und Schüler mit eigenen Erfahrungen forderte er auf, diese schriftlich festzuhalten. Die anderen Projektteilnehmer sollten sich mittels Youtube mit dem Thema „Flüchtlinge“ auseinandersetzen. Sie recherchierten Bild, Ton- und Filmmaterial und arbeiteten heraus, wie die Flüchtlinge in den einzelnen Beiträgen dargestellt werden und welche Kommentare dazu eingestellt worden sind. 

Nach der Präsentation der Textbeiträge zu den eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen und den Ergebnissen der Recherche auf Youtube wurde vertieft und arbeitsteilig weitergearbeitet: die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten unterschiedliche Textsorten und differenzierten auch zwischen dem von den Medien vermittelten Flüchtlingsbild und dem eigenen, zwischen einem distanzierten oder emotionalen Zugang, zwischen theoretischem Wissen und Gefühl. 

Die Arbeitsergebnisse am Ende des Projekttages fielen dann auch sehr unterschiedlich aus, z.B.: ein potentieller Erlebnisbericht eines jugendlichen Flüchtlings und der Blick auf seinen Neuanfang in der Fremde, die zur „Heimat“ werden soll; einen Dialog zwischen einem potentiellen Arbeitgeber (Deutscher) und einem möglichen Bewerber (Flüchtling); einen Bericht über die Wahrnehmung der Nachrichtenmeldungen zu Flüchtlingen; Reportagen über das Aufeinanderzugehen von Einheimischen und Flüchtlingen während der Briloner Kirmes, oder dem Fußballtraining; Leitartikel über die Ursachen für Vertreibung und Flucht sowie über das Ankommen von Flüchtlingen in Spielfeld (Österreich) und zum Befinden unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen in Deutschland … Schließlich wurden die Arbeitsergebnisse auch eingesprochen und zu Bild-Text-Montagen zusammengefügt.

 

Nicht nur der Leiter der Schreibwerkstatt, Manfred Theisen, auch die Schülerinnen und Schüler und die Projektleiterin waren begeistert und zugleich erstaunt ob der ausgezeichneten Ergebnisse, die auf der Homepage des BK Brilon veröffentlicht werden.

Aus diesem Grund ist es allen an der Schreibwerkstatt Beteiligten eine Herzensangelegenheit sich ausdrücklich bei den Organisationen zu bedanken, ohne deren finanzielle Unterstützung diese den Schulalltag bereichernden Veranstaltungen nicht stattfinden könnten!! 

Das Berufskolleg Brilon bedankt sich ebenfalls ganz herzlich bei Herrn Manfred Theisen für diesen ungewöhnlichen Vormittag und hofft, dass noch viele Projekte dieser Art folgen!